Glücksspielsteuer in Deutschland – Online-Casinos zahlen auf

Die Steuer lastet auf dem Umsatz, nicht auf dem Gewinn

Deutschland führt bei den Abgaben auf Online-Slots eine Sonderstellung ein, die global einmalig ist. Während andere Märkte Steuern auf dem Bruttospielertrag erheben, also der Differenz zwischen Einsatz und Auszahlung, belastet das deutsche Modell den gesamten Spielumsatz. Die Folge ist eine effektive Steuerbelastung von 5,3 Prozent auf jeden einzelnen Dreh am virtuellen Automaten. Bei einem durchschnittlichen Automaten mit fünf Euro Einsatz pro Spin wie dem beliebten IncaSpin müssen Betreiber bereits vor der ersten Runde 26,5 Cent Steuer ans Finanzamt abführen, unabhängig vom Gewinn oder Verlust des Spielers.

Diese Konstruktion frisst nach Schätzungen des Deutschen Online Casinoverbandes (DOCV) rund 60 Prozent der Beitragsmargen der Anbieter. Das System gleicht damit eher einer Umsatzsteuer auf digitalen Dienstleistungen, wie sie im europäischen Steuerrecht längst als wettbewerbsfeindlich abgeschafft oder ausgenommen wurde. Ein Vergleich mit anderen digitalen Unterhaltungsbranchen verdeutlicht die Belastung: Streamingdienste oder Softwareanbieter zahlen auf ihre Einnahmen keine vergleichbare Sonderabgabe, sondern lediglich reguläre Gewerbesteuer. Der Unterschied zur Besteuerung des tatsächlichen Gewinns ist für die Betreiber existenziell. Ein Slot mit theoretischer Auszahlungsquote von 96 Prozent erzielt lediglich vier Prozent Bruttomarge. Davon gehen nun mehr als die Hälfte an den Staat ab, bevor Personal, Technik oder Marketing bezahlt werden.

Die Laffer-Kurve im Glücksspielsektor

Die Zahlen bestätigen das ökonomische Phänomen der Laffer-Kurve auch im virtuellen Spielsalon. Zwischen 2021 und 2022 sanken die Einsätze im legalen deutschen Markt von 9,4 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro. Parallel dazu brach der Steuerertrag um fast acht Prozent ein, von 470 Millionen Euro auf 433 Millionen Euro. Der Staat kürzt sich also selbst das Einkommen, weil die überhöhten Sätze das Wirtschaften im legalen Sektor nahezu unmöglich machen. Die Steuerquote steigt, die absolute Einnahme sinkt.

Die Spieler reagieren auf die schlechteren Gewinnchancen in lizenzierten Angeboten mit einer massiven Abwanderung. Internationale Plattformen ohne deutsche Lizenz bieten höhere Return-to-Player-Raten, da sie nicht unter die 5,3-Prozent-Abgabe fallen. Die Steuerbasis schrumpft dadurch weiter, was das Defizit im staatlichen Haushalt vergrößert statt verringert. Gleichzeitig entzieht sich das Spielgeschehen jeder Kontrolle durch die deutsche Aufsicht. Die Kanalisierungsrate, also der Anteil des Spielvolumens im regulierten Markt, bleibt damit hinter den Erwartungen des Gesetzgebers zurück.

Planungsunsicherheit für Steuerberater und Vermieter

Die anhaltende Reformdebatte zum Glücksspielneurechtsstaatsvertrag (GlüNeuRStv) durch die Jahre 2024 bis 2026 erschwert die Beratung von Unternehmensstrukturen erheblich. Für Steuerberater in Schleswig-Holstein und darüber hinaus gestaltet sich die strategische Planung entsprechender Geschäftsmodelle nahezu unmöglich, da jede Rechtssicherheit fehlt. Auch Vermieter von Gewerbeimmobilien und Gastronomen, die auf Nebeneinnahmen aus Spielautomatenaufstellungen setzen, müssen die Insolvenzrisiken ihrer Partner neu bewerten. Gaststättenbesitzer, die Geräte in ihren Räumen aufstellen lassen, sehen sich zunehmend mit leerstehenden Ecken konfrontiert, wenn Betreiber die Mietzahlungen einstellen. Die Vertragslaufzeiten für solche Aufstellverträge wurden in den vergangenen zwei Jahren immer kürzer, da niemand mehr langfristige Planungssicherheit besitzt.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) steht vor der paradoxen Aufgabe, einen Markt zu regulieren, dessen ökonomische Grundlage durch die Steuerpolitik untergraben wird. Lizenzinhaber melden Zahlungsunfähigkeit oder verlagern ihre Aktivitäten in rechtlich unklare Graubereiche. Die Aufsichtsbehörde kann strenge Regeln zum Spielerschutz und zur Geldwäscheprävention durchsetzen, verliert aber dennoch die Kontrolle über den Großteil des Spielvolumens, das ins Ausland abfließt. Die Konzessionäre sitzen zwischen den Fronten aus staatlicher Forderung und wirtschaftlicher Realität. Die Verknüpfung mit LUGAS, dem zentralen Verwaltungssystem der Länder, und der OASIS-Spielersperrdatei bleibt technisch funktionsfähig, greift aber nur dort, wo Anbieter überhaupt noch lizenziert auftreten.

Wohin führt die Reform?

Die strukturelle Überlastung durch die Einsatzsteuer gefährdet nicht nur einzelne Unternehmen, sondern das gesamte System des regulierten Glücksspiels in Deutschland. Die aktuelle Regelung steht im Widerspruch zu europäischen Trends, die digitale Dienstleistungen entweder der Mehrwertsteuer unterwerfen oder davon ausnehmen, um Wachstum zu ermöglichen. Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs zur Mehrwertsteuerbefreiung bei Wetten und Glücksspielen in anderen Mitgliedstaaten könnten als Blaupause dienen, doch der deutsche Gesetzgeber hält hartnäckig an der Einsatzbemessung fest. Wenn bis 2026 keine Korrektur an der Steuerbemessungsgrundlage vorgenommen wird, bleibt die Frage offen, ob überhaupt noch ein nennenswerter legaler Markt übrig bleibt, den die Aufsicht zu kontrollieren hätte. Die Alternative wäre ein vollständiger Verlust des Steueraufkommens zugunsten ausländischer Anbieter, die keine deutsche Abgabe zahlen.